Novembernebel

Brrr, ist das kalt geworden draußen. Ich blicke aus meinem Fenster uns sehe „meine“ Bäume nicht mehr. Dichter Nebel hat sich dazwischen geschoben. Es ist November. Trist ist das Wetter, die Wolken haben sich dicht gedrängt und hängen über mir. Die Leute auf dem Markt, auf den ich gehe, haben die Maske vor dem Gesicht, die Mütze über den Ohren und den Kragen hochgeschlagen.

November, ungemütlich und besonders.

Dieser Nebel verschleiert einem den Blick, raubt einem die Sicht. Ich bin gezwungen auf meinen nächsten Schritt zu achten, nicht das ich auf der Nase lande. So oft bin ich schon in meinem Leben im Nebel getappt, gefahren, getastet, geschlichen.

Langsam Schritt für Schritt die Richtung erahnend gegangen. Besonders eine Wanderung als Jugendlicher hat sich bildlich eingebrannt in meine Erinnerung. Wir sind unterwegs, dichter Nebel umgibt uns und wir sind in einer Gegend, in der wir uns nicht auskennen. Mutig ziehen wir los, singen und trällern vor uns hin. Die Zeit vergeht und der Nebel wird dichter. Das Singen wird weniger, das Trällern leise bis es ganz verstummt. Wir stehen in der Nebelsuppe und wissen nicht wirklich, wo es langgeht. Immer wieder hören wir ein Surren über unseren Köpfen. Das kommt von den Stromleitungen, die über uns gezogen sind. Schweigend stehen wir da, hören in die Nacht. Hören Autos, die irgendwo fahren, eine Kirchenglocke, die ihre Zeit schlägt. Wir orientieren uns. Und still und heimlich wird ein Gebet nach dem anderen in den Himmel geschickt.

Gleichzeitig ein Schritt nach dem andern getan. Dann endlich wir haben eine Straße gefunden und anschließend zeigte sich das Ortsschild. Was für eine Erleichterung, wir sind auf dem Heimweg, auf dem richtigen Weg. Nicht mehr lange, dann sind wir an unserem Haus. Angekommen, von weitem sehen wir das Licht des Hauses schemenhaft leuchten, hier hat sich der Nebel gelichtet, hier hing er nicht so schwer in der Luft. Was für ein Bild. Licht, dass einen heimleuchtet, das Ziel wieder angibt, zeigt wo man Zuhause ist.

Erleichtert gehen wir in die Stube, freuen uns an der Wärme und an einem warmen Tee. Die Gesichtszüge entspannen sich, angekommen, daheim sein.

Das hat sich tief eingegraben in meine Erinnerung. Und heute, wenn ich den Nebel sehe, dann kommt mir ein Bibelvers in den Sinn:

Dein Wort ist meines Fußes Leuchte und ein Licht auf meinem Weg.

Psalm 119, 105

Das ist es was man im Lebensnebelwirrwarr braucht, ein Licht, eine Orientierung, damit man wieder vorwärtskommt, ankommt, heimkommt.

Vielleicht ist es jetzt in der dunklen Jahreszeit wieder dran, ein Licht ins Fenster zu stellen, als Zeichen, dass die Dunkelheit, der Nebel, das Chaos nicht gewonnen hat.

Wie würde es unsere Dörfer, Straßen, Häuser verändern, wenn viele Lichter in den Fenstern zu sehen wären?

Es wäre hell.

Photo by Jonas Hoss on Unsplash

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