Heil und Heilung

Heile, heile Segen
Drei Tage Regen
Drei Tage Schnee
Dann tut es nicht mehr weh

So klingt es in einem Kinderlied, fröhlich und entspannt. Angstnehmend und Stressreduzierend.

Was aber, wenn es nicht so ist? Was wenn der Schmerz bleibt, die Wunde nicht heilen will? Was wenn eine Verletzung, körperlich oder seelisch so tief ist, dass sie eher eitert, als heilt? Eher schmerzt, als sich beruhigt?

Wer möchte nicht heil sein? Heilung bei Krankheit erhalten? Aber ist es, dass immer was dran ist für uns, für die Situation für unser Sein?

Ich weiß von was ich spreche. Denn selber bin ich mitten in einem Heilungsprozess. Das eine noch nicht abgeschlossen, so schon wieder eine neue Wunde da. Beide Knie ziert jeweils eine Narbe von der OP und beide Knie sagen mir, dass der Heilungsprozess noch im Gange ist.

Wie sehr wünsche ich mir das es schneller geht. Wie oft ertappe ich mich, dass ich mich mit andren Krückenläufern vergleiche und meine es ihnen gleich zu tun, weil sie anscheinend schon gesünder sind als ich. Dabei vergesse ich, dass sie länger schon operiert sind, vergesse dass sie ein völlig anders Krankheitsbild habe. Und übersehe, dass sie vielleicht noch mehr unter Drogen sind als ich? Weiß ich das, nur weil ich sie sehe?

Nicht nur körperlich wünschen wir uns eine schnelle Heilung und ein Heil werden und sein. So doch auch für unsere Seele. Oder etwa nicht?

Die Verletzungen aus der Kindheit, sollten doch vorbei sein und zur unpassenden Zeit – aus unserer Wahrnehmung – melden sie sich. Die Demütigungen in der Schule, das Beschämt werden in der Familie. Das verletzende schnell daher gesagte Wort in der Gemeinde. All das hinterlässt Wunden, Narben. All das kann erinnert werden, denn auch unser Körper hat ein Gedächtnis.

Noch tiefer sind die Wunden, die durch ein Trauma entstanden sind, davon weiß ich vieles zu berichten, aus der eigenen Geschichte und aus den Gesprächen mit meinen Ratsuchenden. Doch ganz gleich wer sie verursacht hat, egal wie lange sie her sind… jede Wunde, jede Verletzung will versorgt werden. Und jedes braucht seine Zeit zur Heilung.

Denn Heil kommt vom Ganz sein. Heil meint, etwas ist wieder vollständig gemacht. Doch wie bei einer Tasse, wo ich eine Scherbe wieder einklebe, bleibt doch eine Narbe zurück. Wie bei jeder OP, erinnert mich eine Narbe an diese Wunde. Und so auch in unserer Seele, in unserem Herzen.

Wie gut, dass Jesus der Heiland ist – der wieder Ganzmacher – der heilende Hände hat. Überlass dich ihm und werde heil, an Geist, Seele und Leib.

Er heilt, die zerbrochenen Herzens sind, und verbindet ihre Wunden.

Psalm 147, 3

Dann eine gute Heilung für dich, der du eine Wunde hast, lass dich heilen von ihm. Ich mache es hier auch und das tut mir gut. Meinem Herzen, meiner Seele und meinen Knien.

Photo by Motoki Tonn on Unsplash

Impulse abonnieren


Loading

Verwandte Beiträge

Ewigkeitssonntag

Ewigkeitssonntag

Brr ist das kalt. Ich öffne mein Fenster und lass die kalte Luft in den Raum strömen. Frische Luft tut gut, nicht nur...

mehr lesen
Lebensinhalt

Lebensinhalt

Kennst du das Münstertal im Elsass? Ich schon, gerne bin ich dort bei den Schwestern vom Hohrodberg. Einer...

mehr lesen
Der Wunschzettel

Der Wunschzettel

Novemberwetter, es ist kalt und nass, ungemütlich. Da möchte ich nicht so gerne raus. November ist auch die Zeit, wo...

mehr lesen

0 Kommentare

Einen Kommentar abschicken

Deine E-Mail-Adresse wird nicht veröffentlicht.